Verhaltenswissenschaftliche Ansätze des Customer Relationship Managements
Viele Unternehmen konzentrieren sich noch immer allein auf ihre Produkte und Dienstleistungen. Dies stellt zweifellos eine wichtige, aber nicht hinreichende Voraussetzung dar um am Markt erfolgreich bestehen zu können. Die hohe Qualität des Produktes wird heute als selbstverständlicher Grundnutzen angesehen und eine Differenzierung über das Kernprodukt allein ist kaum noch möglich. Stark umkämpfte und gesättigte Märkte sowie ein verändertes Kundenverhalten rücken das traditionelle, transaktionsorientierte Marketing daher immer mehr in den Hintergrund. Gefordert wird vielmehr ein moderner, beziehungsorientierter Marketingansatz, der die Unternehmen befähigt, Vertrauen und Zufriedenheit der Kunden in dem Maße aufzubauen, dass langfristige und ertragsträchtige Beziehungen entstehen können.Die Lösung wurde schnell gefunden, integrierte CRM-Softwaresysteme sollten dem Anwender durch eine umfassende Verarbeitung der Kundendaten vermeintlich völlig neue und bessere Möglichkeiten im Management seiner Kundenbeziehungen geben[1]. Diesem schier grenzenlosen Enthusiasmus blieb jedoch häufig eine Phase der Ernüchterung. Durchschnittlich bleiben über die Hälfte aller CRM-Projekte, deutlich hinter den Erfolgserwartungen[2]. Das Kundenbeziehungsmanagement mit bloßen Daten, Zahlen und Fakten gleichzusetzen birgt die große Gefahr, den Kunden als Individuum mit seinen speziellen Bedürfnissen aus den Augen zu verlieren. Nur wer seinen Kunden kennt, kann es schlussendlich gelingen, die Verhaltensweisen so zu steuern, dass unprofitable Kundenbeziehungen in werthaltige Beziehungen transformiert werden. Eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche und langfristige Kundenbeziehungen stellt die Kundenzufriedenheit dar. Es wird davon ausgegangen, dass psychische Variablen (Einstellung, Motivation, Emotion) als auch die daraus resultierenden Verhaltensweisen (Wiederkaufsabsicht, Cross-Buying, Weiterempfehlung) durch Kundenzufriedenheit positiv beeinflusst werden[3].
C/D-Paradigma
In der Zufriedenheitsforschung geht man oftmals vom C/D-Paradigma (Confirmation / Disconfirmation) aus, das einen integrativen Rahmen für die Analyse von Zufriedenheit darstellt[4]. Dieser Abgleich zwischen Erwartung und Ist-Leistung als Grundlage der Leistungsbeurteilung wurde bereits seit den 70er-Jahren von R. L. Oliver entwickelt, der als Grundlage für sein Modell auf die Überlegungen von Engel, Kollat und Blackwald aus dem Jahr 1968 zurückgreift[5]. Ausgangspunkt ist der Vergleichsprozess zwischen der erwarteten Leistung (Soll) und der wahrgenommenen Leistung (Ist), die bereits im Vorfeld durch Erfahrungswerte, Unternehmenskommunikation, psychischen Informationsverarbeitungsmechanismen sowie bestimmten situativen Faktoren beeinflusst werden können. Aus diesem Vergleichsprozess ergeben sich grundsätzlich drei Szenarien:
- Zufriedenheit, die zugrunde gelegte Soll-Leistung wird übertroffen
- Unzufriedenheit, die Ist-Leistung wird der Kundenerwartung nicht gerecht
- Indifferenz, die erwartete Leistung entspricht der wahrgenommenen Leistung
Während dieses Modell von der breiten Mehrheit der Zufriedenheits- und Qualitätsforschern anerkannt wird, gibt es differierende Meinungen darüber, ob für ein positives Erscheinungsbild die bloße Bestätigung der Erwartung genügt (Punktwert) oder ob diese übertroffen werden muss (Toleranzzone).
Austauschtheoretische Aspekte
Dieser sozialwissenschaftliche Ansatz erklärt die Austauschbeziehung zwischen ökonomischen und sozialen Elementen und gibt somit Anhaltspunkte darüber, wann eine Beziehung zwischen Anbieter und Kunden eingegangen, aufrechterhalten oder beendet wird[6]. Nach Homans (1961) liegt im Kern der Austauschprozesse das Ziel der Gleichheit zu Grunde[7]. Diese Annahme entspricht dem zwischenmenschlichen Verhalten von Geben und Nehmen, wobei aus Akteursicht „Geben“ Kosten und „Nehmen“ Nutzen verursacht[8]. Da keiner der Interaktionspartner dazu bereit ist, dauerhaft ein schlechteres Kosten-Nutzen-Verhältnis als sein Gegenüber zu akzeptieren, sind beide Akteure bestrebt, Gerechtigkeit zwischen sich zu erzielen. Um das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu konkretisieren führen Thibaut/Kelly 1959 einen Vergleichsmaßstab ein, den „Comparison Level“(CL). Das Vergleichsniveau CL bezeichnet den Mittelwert an Leistung, den ein Akteur aufgrund eigener Erfahrung oder auf der Dritter, als gerechtfertigt ansieht[9]. Darüber hinaus sind für die Leistungsbeurteilung einer Beziehung das Ergebnis (E) sowie das Mindestniveau –Comparison Level for Alternatives von Bedeutung. Der (CLalt) stellt das niedrigste Niveau der erhaltenen Leistung einer Beziehung dar, das unter Berücksichtigung möglicher Alternativen gerade noch vom Kunden akzeptiert wird. Aus der relativen Lage der drei Größen zueinander ergeben sich die Kundenzufriedenheit sowie der Status der Bindung eines Kunden.
Sach- und Erlebniskomponenten
Die Sacheigenschaften eines Angebots sind unter heutigen Markt- und Kommunikationsbedingungen nur noch eingeschränkt geeignet, um sich von den Konkurrenzprodukten abzuheben. Kunden setzen eine gute Qualität und den hohen Reifegrad an technisch-funktionalen Sacheigenschaft als gegeben voraus. Die Schaffung von Zusatznutzen (added value) bekommt daher eine tragende Bedeutung. Da ein Produkt mehr ist, als die Summe seiner technischen Bestandteile, wird der Käufer eines Autos nicht danach streben Eigentümer einer Karosserie, eines Motors oder eines Fahrgestells zu werden[10]. Mit dem Erwerb möchte er vielmehr einen subjektiven Zusatznutzen nach Zugehörigkeit, Sicherheit oder Prestige befriedigen.Eine Möglichkeit um die eigenen Angebote von den Mitbewerbern zu differenzieren, besteht in Erlebniskomponenten. Diese zielen darauf ab, das Angebot in der Gefühls- und Erlebniswelt der Kunden zu verankern. Erlebniskomponenten geben dem Kunden die Möglichkeit, den Lebensstil zu kommunizieren, der gewünscht wird. William J. erkannte bereits1890, dass Menschen Güter über die technisch-funktionale Bedürfnisbefriedigung hinaus zum Ausdruck ihrer Persönlichkeit benutzen[11]. Freundliches und höffliches Personal, Kundenevents oder Produktschulungen können das Gefühl von bevorzugter Behandlung und Wertschätzung erzeugen. Die emotionalen Komponenten tragen somit wesentlich zur Kundenzufriedenheit und der Bindung der Kunden an das Unternehmen bei. Trotz der Notwendigkeit sowie einer Vielzahl an Vorteilen und Chancen des CRM, dürfen die entstehenden Kosten und Problembereiche nicht vernachlässigt werden. Gerade bei der Implementierung eines CRM-Konzeptes können hohe Kosten entstehen. Um schließlich ein vorzeitiges Scheitern aufgrund finanzieller Engpässe zu vermeiden, sollten die einzelnen CRM Maßnahmen durch den Einsatz geeigneter Management-Werkzeuge (bsplw. Scorecard) kritisch auf ihren jeweiligen Erfolgsbeitrag durchleuchtet werden.
[1] Vgl. Hippner H., Wilde K.D. (2006), S. 6 “Grundlagen des CRM : Konzepte und Gestaltung”[2] Vgl. Rigby D.K, Reichheld F.F. et.al (2002), S. 55f “CRM - wie Sie die vier größten Fehler vermeiden”
[3] Vgl. Fornell C. (1992), S.6 ff. “A national customer satisfaction barometer. The swedish experience.”
[4] Vgl. Faullant R. (2007), S. 20f. “Psychologische Determinanten der Kundenzufriedenheit”
[5] Vgl. Richter M. (1997), S. 74 “Dynamik von Kundenerwartungen im Dienstleistungsprozess: Konzeptionalisierung und empirische Befunde”
[6] Vgl. Olderog T. (2003), S. 83 “Faktoren des Markterfolges im Online-Handel”
[7] Vgl. Homans G. (1961), S. 72 “Social Behavior: Its Elementary Forms. New York: Harcourt, Brace and World.”
[8] Vgl. Lorbeer A. (2001), S. 52 “Vertrauensbildung in Kundenbeziehungen – Ansatzpunkte zum Kundenbindungsmanagement”
[9] Vgl. Thibaut/Kelly (1959), S. 21 “The Social Psychology of Groups”[10] Vgl. Wöhe (2002), S. 501 “Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaft”
[11] Vgl. James W. (1890) “The Principles of Psychology”
Autor: Phillip Mayer - Website besuchen
Geschrieben von Phillip Mayer am Juni 2nd, 2010 mit
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